Vulkan

© Ulrich Kulp, April 2012

Aber dann stieß er auf einen Satz, der ihm von einem kleinen Fähnchen am Eingang zum Fitness-Center entgegenwehte und den er nach einem kurzen Augenblick des Sinnierens als Herausforderung verstand.

„Endlich im Urlaub“, hieß es da, „ – alle Alltagsbelastungen sind weit weg. Zeit, um sich mal wieder in sich selbst zu verlieben.“

Wie macht man das, fragte er sich. Was stellt man an, um sich für sich so attraktiv zu machen, dass man sich in sich selber verlieben mochte? Für überschäumende Gefühle kannte man sich ja eigentlich schon viel zu lange. Alle Falten waren einem vertraut, auch die in der Seele, die Trägheit am Morgen und manchmal den ganzen Tag über ein gewohnter Begleiter, Esprit ein Fremdwort, dass man allenfalls über Modegeschäften wahrnahm, in die Leute gingen, die es mit der Selbstdarstellung übertrieben – vielleicht weil sie in sich selber verliebt waren? Würde er sich in sich selber verlieben können – so wie er war, so einfach, einfach so? Oder müsste er sich gewissermaßen aufpeppen, schick machen, herrichten, um Eindruck zu schinden bei sich selber? Und würde ihm eine solche Fassadenrenovierung nicht gleich als solche auffallen – schon beim Anstreichen selber – und somit, quasi als Betrug entlarvt, jede Wirkung verfehlen?

Ausschnitt aus „Vulkan“ (CD: „Krugweisheiten“)